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paul vom hof über die stadt und den rest

20040730

Freitag, 30. Juli 2004

Mangelnde Fähigkeit zur Dialektik, ich kenne den Vorwurf vom Prenzlauer Berg – im weiteren „vom Berg“. Die junge Dame, deren Kleid vor Wochen von messerbewehrten Arabern in einem Pariser Vorortzug zerschnitten wurde, ihr Körper wurde daraufhin mit Hackenkreuzen – für den Berg: Swastikas – beschmiert, hat den Weg in die Nachrichten West-Europas wiedergefunden. Sie wurde, wie sie beteuert, „fälschlicherweise“ für eine Jüdin gehalten.

Sharon hat die jüdische Gemeinde Frankreichs letzte Woche zur sofortigen Emigration nach Israel aufgefordert, Chirac hat Sharon zur „Persona non grata“ erklärt. Die mediale Wiederkehr eines Vorfalls in der Pariser Metro, wird genau dann zur Schlagzeile, wenn es ein Christenkind trifft - Glaube, Liebe, Journalismus!

Es ist das Pariser Quartier zwischen Rue Albert Camus und Rue Jean Paul, in dem sich Pariser JüdInnen noch sicher fühlen. Wenn sie in die „Cité“ gehen wollen, einen Ort, wohin sich auch Pariser Polizisten – im weiteren flics genannt – nicht wirklich trauen, dann nehmen sie die Kippa ab. Näheres über die Frage, wer, wann und weswegen das Land verlässt findet sich in der Jüdischen Allgemeinen. Und sonst – lesen, Kinder, lesen – bei Tucholsky.

Mein letzter Abgang im Hamburger „Goldenen Handschuh“ wurde mit „Saujud verrecke“ begleitet. Als Goi frage ich mich seither, warum ich in dieser Boxerkneipe so viele Juden – Hallo Silvie - kennen gelernt habe, wie in der ganzen Hansestadt nicht mehr. Es mag Dialektik sein. Oder der Hamburger Berg.

Mein verklärtes Bild vom Berliner Wedding relativiert sich auch zusehends: Mittwochs auf den Bänken des kleine Parks an der Badstraße: erst kreist ein städtisches Mähfahrzeug knapp zwanzig Minuten um einen Schlafenden, die Arschfalte lugt aus der Jeans, er wird von einem Kollegen geweckt und weggeschleift, um sich erst Mal ausgiebig in den nächsten Mülleimer zu übergeben, dann entwickelt sich hinter mir ein Streit: Heten-Stress so um die Zwanzig. Sie wird wiederholt mit dem Wort bezeichnet, das diesen fatalen Gleichklang mit menschlichem Erbrochenen hat, und verlässt eindeutig zu spät den glücklicherweise nur verbalen Kampfplatz. Ich glaube es war Wiglaf Droste, der an diesem Wort seine Abneigung gegenüber Proletariern festmachte.

Die Szene beruhigt sich, bis diese beiden Herren auftauchen: Beide sehr kurz geschoren, der Eine ca. 40, der andere Mitte zwanzig. Der Ältere kommt auf mich zu, ich bin gerade im Aufstehen, gehe an ihm vorbei und er sagt zu seinem südländisch-anmutenden Begleiter, es sei "Alles in Ordnung", die Bänke seien "jetzt ausländerfrei". Sweet Wedding - der Spass ist vorbei!


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